Projekte des Arbeitsbereichs Schul- und Professionsforschung

Auf dieser Seite finden Sie eine Liste aller aktuellen und abgeschlossenen Drittmittelprojekte sowie die Promotions- und Habilitationsprojekte der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Darüber hinaus ist eine Auswahl an Masterarbeiten, welche im Arbeitsbereich Schul- und Professionsforschung betreut wurden, abrufbar. 

DRITTMITTELPROJEKTE

Laufend:

  • FAKULTAS - Zwischen heterogenen Lehrkulturen und berufspraktischen Ansprüchen: Fallrekonstruktionen zur universitären Ausbildungsinteraktion im Lehramtsstudium

    DFG-Antrag

    Antragssteller: Prof. Dr. Andreas Wernet

    ProjektmitarbeiterInnen:

    Prof. Dr. Andreas Wernet
    Dr. phil. Thomas Wenzl
    Hannes König

    Projektbeschreibung

    Das beantragte Forschungsprojekt zielt auf die Rekonstruktion von grundlegenden Strukturproblemen der universitären Lehrerbildung. Auf der Datengrundlage von Interaktionsprotokollen universitärer Lehrveranstaltungen geht es darum, die Spannungen und Verwerfungen eines disziplinär heterogenen und zugleich mit spezifischen Praxisansprüchen konfrontierten Studiums zu rekonstruieren. An unterschiedlichen Universitäten werden Lehrveranstaltungen in den Fächern Mathematik, Biologie und Germanistik, in den entsprechenden Fachdidaktiken und aus dem erziehungswissenschaftlichen Lehrangebot erhoben und einer objektiv-hermeneutischen Sequenzanalyse unterzogen. Dabei konzentrieren wir uns auf diejenigen Lehrveranstaltungsformate, die auf Interaktionen zwischen Dozierenden und Studierenden hin ausgelegt sind. Diese Lehrveranstaltungen werden unter der Perspektive in den Blick genommen, welche Kulturen des kommunikativen Austauschs und welche Formen der Bearbeitung der berufspraktischen Ansprüche des Lehramtsstudiums Lehramtsstudierenden dort begegnen. Wir versprechen uns von diesem Forschungszugriff, den komplexen Interaktionsraum, den das Lehramtsstudium an der Universität darstellt, aus seiner Binnenperspektive heraus exemplarisch auszuleuchten.  

    Material lassen wir uns von der Hypothese leiten, dass Lehramtsstudierende in fachwissenschaftlichen, fachdidaktischen und bildungswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen mit heterogenen Kulturen des kommunikativen Austauschs als Ausdruck disziplinär ausdifferenzierter Fachkulturen konfrontiert sind und damit vor dem Problem stehen, dass ihr Studium keinen in sich konsistenten Interaktionszusammenhang bildet. Damit gehen zwei Strukturprobleme einher: 1. Die unterschiedlichen Kulturen des kommunikativen Austauschs in den verschiedenen Segmenten des Lehramtsstudiums erschweren es den Lehramtsstudierenden, sich über eine stabile Fachidentität an der Universität zu beheimaten. 2. Der berufspraktischen Ausrichtung des Studiums wird in den unterschiedlichen Studiensegmenten in je unterschiedlicher Art und Weise Rechnung getragen. Dies führt zu Spannungen zwischen theoretischen und berufspraktischen Ansprüchen, die eine Verunsicherung für die Lehre darstellen. Diese Strukturprobleme sollen in dem Projekt detailliert rekonstruiert werden.  

    Über dieses unmittelbare Interesse an Problemen der Lehrerbildung hinaus leistet das Forschungsvorhaben einen Beitrag zu einer erziehungswissenschaftlichen Grundlagenforschung zur universitären Lehre. Wir erwarten von den geplanten Interaktionsrekonstruktionen empirisch aufschlussreiche Impulse für eine material begründete Theorie universitärer Lehre zu gewinnen. Das Forschungsvorhaben zielt auf ein wirklichkeitswissenschaftlich fundiertes Bild der Eigenlogik universitärer Lehre ab; auch und gerade im Kontrast zur Logik schulischen Unterrichts.  

    Downloads:

    Antrag

Abgeschlossen:

  • „Die Mühen des Aufstiegs“: Fallrekonstruktionen zur familialen und bildungsbiografischen Dynamik „erwartungswidriger“ Schulkarrieren

    DFG-Antrag

    Antragssteller: Prof. Dr. Andreas Wernet

    ProjektmitarbeiterInnen:

    Projektleitung: Prof. Dr. Andreas Wernet, Dr. Mirja Silkenbeumer
    Wissenschaftliche Mitarbeiter: Dr. Sven Thiersch, Julia Labede
    Wissenschaftliche Hilfskräfte: Christian Gakenholz, Katharina Schindler, Imke Kollmer, Kai Schade

    Projektbeschreibung:

    Spätestens seit Bourdieu wird Bildungserfolg als „Erbe“ im Sinne der Reproduktion des Herkunftsmilieus verstanden. Aber wie kommt es zu „erwartungswidrigen“ Schulkarrieren? Welche Prozesse und Dynamiken tragen zur Genese des schulischen Erfolgs bei, wenn dieser sich nicht als soziale Reproduktion, sondern als Transformation vollzieht?

    Diese Frage steht im Zentrum unseres Forschungsvorhabens. Wir gehen dabei davon aus, dass „erwartungswidrige“ bildungsbiografische Verläufe sich auf der Grundlage der Eigenlogik familialer Interaktion bilden. Ziel des Projekts ist es, die den Bildungsaufstieg ermöglichenden familialen Dynamiken durch Fallrekonstruktionen empirisch zu untersuchen.

    Wir fokussieren dabei auf eine für den schulischen Aufstieg entscheidende, bislang wenig erforschte Übergangssituation: den Schulwechsel von der Haupt- oder Realschule auf das Gymnasium bzw. in die gymnasiale Oberstufe. Datengrundlage sind Familiengespräche in der Phase der Entscheidungsfindung vor Abschluss der 10. Klasse und bildungsbiografische Interviews mit den beteiligten Schülern/innen nach dem Schulwechsel. Kontrastiv zu den Schulaufstiegen aus bildungsfernen Milieus werden ausgewählte Fälle „erwartungsgemäßer“ Schulkarrieren einbezogen. Die Fallrekonstruktionen stützen sich auf Genogrammanalysen („Bildungsgenogramme“) und objektiv hermeneutische Sequenzanalysen der Familiengespräche und der bildungsbiografischen Interviews.

    Wir streben eine material gesättigte und typologisch ausdifferenzierte Rekonstruktion der bildungsbiografischen Selbstentwürfe, der diesen zugrunde liegenden familialen Binnendynamiken und der damit korrespondierenden Übergangsmuster an. Das Projekt leistet einen Beitrag zum Verständnis der spezifischen Spannungen, die mit „erwartungswidrigen“ Bildungsaufstiegen verbunden sind.

    Laufzeit: 01.04.2011 - 31.03.2015

    Publikationen (Auswahl):

    Silkenbeumer, M./Wernet, A. (2012): Die Mühen des Aufstiegs. Von der Realschule zum   Gymnasium: Eine Fallrekonstruktion zur subjektiven Bewältigung des Schulformwechsels. Pädagogische Fallanthologie, Bd. 9. Opladen u.a.

    Wernet, A. (2012): Die Objektive Hermeneutik als Methode der Erforschung von Bildungsprozessen. In: Schittenhelm, K. (Hrsg.): Qualitative Bildungs- und Arbeitsmarktforschung. Theoretische Grundlagen und Methoden. Wiesbaden, S. 183-202

    Labede, J./Silkenbeumer, M. (2014): Zur Bedeutung familialer Geschlechter- und Generationsbeziehung für die Konstituierung des Bildungsselbst. In: Helsper, W./Kramer, R.-T./Thiersch, S. (Hrsg.): Schülerhabitus. Theoretische und empirische Analysen zum Bourdieuschen Theorem der kulturellen Passung. Wiesbaden, S. 225-249

    Labede, J./Thiersch, S. (2014): Zur familialen Genese schulischer Bildungsentscheidungen. Sozialisationstheoretische Überlegungen und empirische Analysen jenseits rationaler Entscheidungsmodelle. In: Miethe, I./Ecarius, J./Tervooren, A. (Hrsg.): Bildungsentscheidungen im Lebenslauf. Perspektiven qualitativer Forschung. Opladen/Berlin/Toronto, S. 65-84 

    Silkenbeumer, Mirja/Thiersch, Sven/Labede, Julia (2017): Zur Aneignung des Schulaufstiegs im Kontext adoleszenter Individuation und familialer Interaktion. In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung. Jg. 12 H. 3, S. 343-360

    Downloads:

    Antrag

    Fortsetzungsantrag

  • AKURAT - Lehrerbildung als Interaktion: Fallrekonstruktionen zur Ausbildungskultur im Referendariat

    DFG-Antrag

    Antragssteller: Prof. Dr. Andreas Wernet

    ProjektmitarbeiterInnen:

    Prof. Dr. Andreas Wernet
    Dr. Katharina Kunze
    Jessica Dzengel
    Carolin Hesse
    Sonja Überschär

    Projektbeschreibung:

    Die zweite Phase der Lehrerbildung ist durch eine auffällige Dissonanz gekennzeichnet: die subjektive Wahrnehmung der Beteiligten bleibt weit hinter den programmatischen Ansprüchen des Referendariats zurück. Statt als herausgehobener Ort der Formierung pädagogischer Professionalität wahrgenommen zu werden, ist die ausbildungspraktische Wirklichkeit durch erhebliche Spannungen, Friktionen und Unzufriedenheiten gekennzeichnet.
    Eine bisher von der Forschung weitgehend unbeachtete Problemquelle dieses Ausbildungsabschnitts sehen wir in der Interaktion zwischen Ausbildern und Referendaren. Es fällt den Beteiligten schwer, einen Weg des kollegial-kooperativen Austauschs zu finden. Diese These steht im Zentrum des beantragten Forschungsprojekts. Auf der Datenbasis von verschrifteten Kleingruppensitzungen (24 Sitzungen mit je drei Referendaren und einem Ausbilder; Haupt- und Fachseminar) soll die Logik des diskursiven Austauschs und der kollegialen Problembearbeitung einer mikrologischen Problemdiagnose unterzogen werden. Ziel ist es, ein möglichst klares, materialhaltiges und typologisch ausdifferenziertes Bild der Ausbildungskultur und der sie charakterisierenden Ausbildungs- und Aneignungsstile zu zeichnen.  

    Laufzeit: 01.10.2009 - 30.03.2012

    Downloads/Texte:

    Antrag

    Fortsetzungsantrag

    Forschungsbericht

    Abschlussbericht

    Andreas Wernet - Beurteilung im Referendariat

    Andreas Wernet - Kollegialitätsprobleme im Referendariat

    Andreas Wernet - Praxiswunsch in der Lehrerbildung

    Vera Kreuter/ Andreas Wernet - Lehrerbildung als Identitätsproblem

    Jessica Dzengel/ Katharina Kunze/ Andreas Wernet - Die Feuerzangenbowle: Interpretation einer Filmsequenz als Stimulus für eine kasuistische Ausbildungsinteraktion


PROMOTIONS- UND HABILITATIONSPROJEKTE

Laufend:

Promotion

  • "Zwischen Familie und Bildungskarriere: Fallrekonstruktionen zum subjektiven Stellenwert des zweiten Bildungswegs bei Frauen ab 30" (Edwina Albrecht)
  • "Pädadogik studieren - Zur Kultur der Lehre in einer schwierigen Disziplin" (Hannes König)
  • "Die Praxis des Referates. Zur Bearbeitung der Zumutungen der Lehre" (Tag der Disputation 12.02.2020) (Imke Kollmer)
  • "Selbstveröffentlichung. Fallrekonstruktionen zur digital-fotografischen Selbstinszenierung" (Sandra Kwasniok)
  • "Zwischen Krisenhaftigkeit und Entwicklungsaufgaben. Eine fallrekonstruktive Studie zu Figuren studentischen Umgangs mit erlebter Differenz schulischer und universitärer Praxis im Lehramtsstudium" (Kathrin Maleyka)
  • "Schulischer Auslandsaufenthalt als Initial und Erprobung mobiler Lebensentwürfe“(Kai Schade)

Abgeschlossen:

Wenzl, Thomas (2019): Unterrichten und Lehren: Studien zum Interaktionsraum institutioneller Bildung (Habilitationsschrift)

Labede, Julia (2019): Bildungsbiografische Diskontinuitäten. Zur Krisenförmigkeit von Schulformwechseln in der Adoleszenz.

Wie Schulformwechsel in der Familie verhandelt werden und wie diese Verhandlung eine Dynamik befördert, die nach einem „Ab-“ oder „Umstieg“ im Bildungssystem einen „Aufstieg“ ermöglicht, untersucht diese Studie fallrekonstruktiv. Anhand zweier Fallstudien werden familiale Idealisierungen und Krisengeschichten sowie ein verstärkter Selbstbezug in der Adoleszenz als Beitrag für die Genese von Wehrhaftigkeit gegenüber problematischen schulischen Adressierungen herausgearbeitet. Die Krisenhaftigkeit eines Schulformwechsels wird dabei auf eine narzisstische Kränkung zurückgeführt und im Spannungsfeld von Ideal- und Realselbst verortet.    

Wolf, Eike (2018): Armut an Bildung : empirische Analysen und theoretische Rekonstruktionen.

Die Leitproblematiken der vorliegenden kumulativen Dissertationsschrift sind im Schnittfeld von sozialwissenschaftlicher Bildungs- und Ungleichheitsforschung angesiedelt. Als thematischer Bezugspunkt dient ein gesellschaftlicher Problemzusammenhang, der sich unter dem Schlagwort Bildungsarmut in wissenschaftlichen und öffentlichen Diskurs gleichermaßen eingeschrieben hat. Diesem Problem wird empirisch nachgespürt, indem subjekttheoretisch und bildungsbiografisch orientierte Fallrekon-struktionen sowie diskurstheoretische Betrachtungen, die sich auf den zugehörigen wissenschaftlichen Bildungsarmuts-Diskurs beziehen, vorgenommen werden. Darüber hinaus widmet sich die Arbeit auch dem allgemeinen Diskurs um den Begriff, auf den sich die Beschreibung des Problemzusammenhangs genuin beruft: Bildung. Der Bildungsbegriff und sein semantischer Verweisungshorizont bilden somit die zweite übergeordnete Leitproblematik der in dieser kumulativen Dissertationsschrift gesammelten Schriften.  

Dzengel, Jessica (2016): Schule spielen. Zur Bearbeitung der Theorie-Praxis-Problematik im Studienseminar.

Auf der Basis objektiv-hermeneutischer Analysen von Interaktionsstrukturen fokussiert Jessica Dzengel erstmals die Herausforderungen, die mit der Bearbeitung der Theorie-Praxis-Differenz auf der Ebene der Ausbildungsinteraktion im Studienseminar für SeminarleiterInnen und ReferendarInnen einhergehen. Anhand dreier Fallanalysen wird als zentraler Befund ein besonderer Interaktionstypus vorgestellt – das Schule spielen – der als Charakteristikum für die Ausbildung im Studienseminar zu verstehen ist und auf die besonderen Potenziale und Problemfelder im Professionalisierungsprozess innerhalb der zweiten Phase der Lehrerbildung aufmerksam macht. Damit leistet die Arbeit auch einen Beitrag zu der brisanten Frage der Praxisrelevanz des Lehramtsstudiums insgesamt.   

Wenzl, Thomas (2014): Elementarstrukturen unterrichtlicher Interaktion. Zum Vermittlungszusammenhang von Sozialisation und Bildung im schulischen Unterricht.

Während sich Untersuchungen im Bereich der empirischen Unterrichtsforschung in der Regel zwei voneinander unabhängigen Forschungstraditionen zuordnen lassen – einer ‚pädagogischen‘, die sich mit den Bildungspotenzialen von Gegenständen und der Frage, wie diese praktisch zu heben seien, beschäftigt, und einer ‚erziehungswissenschaftlich-soziologischen‘, die sich explizit von den Inhalten des Unterrichts abwendet, um sich einem ‚hidden curriculum‘ zuzuwenden – nimmt diese Studie das Verhältnis von Sozialisationsfunktion und Bildungsanspruch im Unterricht in den Blick. Durch eine Rekonstruktion der Entwicklung der unterrichtlichen Interaktionsstruktur im Laufe der Schulzeit  wird freigelegt, in welche intellektuelle Haltung der klassenöffentliche Unterricht Schüler einsozialisiert.  


MASTERARBEITEN

  • Zieb, Janna (2019): Die reduzierte Triade. Exemplarische Fallanalysen zur Bedeutung des abwesenden Dritten in der Adoleszenz
  • Schade, Kai (2018): Geschwisterbeziehungen Adoleszenter und ihr Einfluss auf das Bildungsselbst. Familiale Interaktion als Abbild der Bildungsbestrebungen adoleszenter Geschwister
  • Albrecht, Edwina (2017): „Vielleicht ist es auch einfach so ne kleine Bruder große Bruder Beziehung“ – Geschwister im Austausch über ihre Bildungskarrieren: Eine exemplarische Fallanalyse
Weiterführende Informationen und zentrale Beratung von Promovierenden an der LUH